Saline Joniche

Kohlekraftwerk Saline Joniche, Kalabrien

In Saline Joniche plant die Repower-Tochtergesellschaft Saline Energie Joniche SEI S.p.A. auf dem ungenutzten Industriegelände einer ehemaligen Chemie-Ruine (Ex Liquichimica) am Meer ein Kohlekraftwerk mit einer installierten Leistung von 1320 Megawatt (Brunsbüttel: 1800 Megawatt). Minderheitsbeteiligungen halten die italienischen Hera S.p.A., Foster Wheeler Italiana S.p.A. und Apri Sviluppo S.p.A.

Kalabrien produziert das doppelte des eigenen Stromverbrauchs, Italien hat die doppelte Produktionskapazität seines maximalen Verbrauchs (Peak). Das Projekt tangiert ein Vogelschutzgebiet von Europäischer Bedeutung (SIC). Die Anlage würde gemäss Repower so geplant, dass auch 5% Abfälle aus der Ölindustrie verarbeitet werden können.

Der Einsatz von Kohle im gültigen Energie-Richtplan Kalabriens vom 14.02.2005 ist explizit ausgeschlossen und der Widerstand gegen das Kohlekraftwerk-Projekt Saline Joniche vom kalabrischen Parlament wiederholt einstimmig von allen Parteien bestätigt worden (u.a. 15. November 2010 und 16. Januar 2012). Im Frühling 2012 legt die Provinz-Regierung einen Ideen-/Gestaltungs-Wettbewerb für das brachliegende Industriegelände auf und gibt damit ihrerseits ihrer Ablehnung und der Suche nach einer nachhaltigen Alternative Ausdruck.

Am 15. Juni 2012 erteilt die italienische Übergangsregierung Monti dem Umweltverträglichkeitsbericht VIA (Valutazione di Impatto Ambientale) gegen starken Widerstand aus dem Departement Raumplanung und Kulturgüterschutz grünes Licht, was in Kalabrien einen Sturm der Empörung auslöst, obwohl die Verfügung aus Rom Repower knapp 59 teilweise kostenintensive Nachbesserungs-Auflagen auferlegt. Gegen den Entscheid aus Rom legen Kalabrien, die Provinz Reggio Calabria, die Standortgemeinde Montebello Jonico, die grossen italienischen Umweltorganisationen, die lokale Bürgerinitiative NO CARBONE und die Bergamotte-Bauern Rekurs beim Verwaltungsgericht Lazio ein.

Inzwischen intensiviert Repower nach dem verlustreichen Abschied aus dem Kohle-Projekt Brunsbüttel (Frühjahr 2012, Abschreiber 7 Millionen) die Planungsarbeiten für Saline Joniche und hofft trotz des geschlossenen Widerstands aus der Region weiterhin auf eine Realisierung. Repower-CEO Kurt Bobst hatte am 2. Oktober 2011 in einem Südostschweiz-Interview versprochen, das Kohlekraftwerk nicht gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen.

Die bisherigen Projektkosten belaufen sich für die Repower-Tochter SEI (Saline Energie Joniche) auf rund 15-20 Millionen Euro; davon wurden 11 Mio Euro für der Kauf des 70 Hektaren grossen Geländes verwendet.

Projektierte Kosten OHNE CCS (Carbon Dioxide Capture and Storage)  > 1.5 Mrd. Euro. Die Auflage CCS würde gemäss Repower-Italia Chef Fabio Bocchiola die Anlage unrentabel machen.

Am 22. September 2013 stimmt die Bündner Bevölkerung der Volksinitiative "Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft" zu und verbietet damit Repower aus Klimaschutz- und Gesundheitsgründen sowie ökonomischen Überlegungen, am Kohleprojekt weiter beteiligt zu bleiben. 

 

Eın Werbefilm der SEI für das Kohlekraftwerk (italienisch) zeigt, in welch einmalig schöne Landschaft die Anlage zu stehen käme: Die Promotoren werben mit Arbeitsplätzen und „herausragender“ Architektur.

Die Kohle-Gegner der Provinz Reggio Calabria und der Area Grecanica sind in der Gruppierung No Carbone Saline organisiert, um die Provinz-Regierung im Kampf gegen die Kohlekraftwerke zu unterstützen. Die Planungsarbeiten werden in der Region als schmutzige und arrogante Einmischung vom reichen Norden und des Auslands wahrgenommen. Die Bewohner argumentieren mit der landschaftlichen Schönheit, der Zerstörung touristischen Potentials, der Gefahr für die Bergamotteprouktion und dem einheimischen Gestaltungs-Willen. Zusätzlich besteht die grosse Gefahr, dass sich die kalabrische 'Ndrangheta am Kohlekraftwerk bereichern würde, wie die italienische Anti-Mafia-Behörde D.I.A und der kalabresische Anti-Mafia-Staatsanwalt Nicolas Gratteri festhalten.

Cheyenne Curatola kommentiert (italienisch) den Werbeprospekt, den Repower im Frühsommer 2011 der Bevölkerung verteilte.

Vierteilige Dokumentation über Saline Joniche vom Frühling 2012, leider nur italienisch.

 

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